Die QI-Schlacht befand sich mitten in der finalen Runde, die GG-Schlacht war noch immer spürbar in jeder Faser des Schiffs. Draußen wurde unerbittlich gekämpft, Zahlen verschoben sich, Fronten hielten oder wankten. Doch an Bord der Eternity lag an diesem Morgen etwas anderes in der Luft. D
Es war Sonntag. Dritter Advent. Früh am Morgen.
Alexia stand am Kommandopult, eine Kaffeetasse in der Hand, den Blick weit hinaus in die Sterne gerichtet. Ihr Gesicht war ruhig, fast weich. Für einen kurzen Moment schien der Krieg weit weg, als hätten die Sterne selbst beschlossen, einmal still zu sein. Sie dachte an die letzten Wochen, an Verluste, Siege, Müdigkeit – und daran, wie viel diese Crew getragen hatte.
Die Stille hielt genau sieben Sekunden.
Dann flog die Tür zum Frühstücksraum auf.
„Hooo! Hooo! Hoooo!“
Truphoss stürmte herein – als Weihnachtsmann verkleidet. Rote Mütze, schiefer Bart, Mantel eine Nummer zu klein. Auf dem Rücken ein schwerer Sack, der bei jedem Schritt verdächtig klirrte.
„Leute! Dritter Advent! Besinnlichkeit wird überbewertet – Feiern nicht!“
Er riss den Sack auf. Heraus kamen Dosen. Viele Dosen. Bierdosen, überklebt mit Etiketten:
Eternity – Kaffee in Dosen.
Darunter Sprüche wie: „Für den Morgen danach“, „Schmeckt besser als Hoffnung“ und „Nur leicht stärker als Kaffee“.
Alexia schloss kurz die Augen, atmete ein, dann aus. „Natürlich“, murmelte sie. „Natürlich.“
Im selben Moment schallte Stonys Stimme aus der Küche:
„Advent, Advent… ich habe zur Feier des Tages drei Spanferkel fertig gemacht!“
Stille. Dann Mareks Stimme, trocken wie immer: „Ernsthaft? Spanferkel. Zum Frühstück.“
Stony erschien im Türrahmen, Schürze umgebunden, zufrieden. „Was? Es ist Sonntag. Und Krieg. Da braucht man Proteine.“
„Das ist kein Brunch“, sagte Marek. „Das ist ein Feldzug.“
Truphoss verteilte bereits Dosen. „Weihnachten auf der Eternity! Wer heute nüchtern bleibt, hat die Geschichte nicht verstanden.“
Alexia hob ihre Kaffeetasse. „Ich bleibe bei Traditionen.“
Truphoss grinste. „Ist auch Kaffee. Nur… motivierter.“
Die Crew sammelte sich. Lachen füllte den Raum. Für ein paar Minuten war die Eternity kein Kriegsschiff, sondern ein Zuhause. Dritter Advent, mitten im Chaos, mit Bierdosen, Kaffee, Spanferkel – und einer Crew, die wusste, warum sie kämpfte.
Alexia blickte noch einmal zu den Sternen, dann zurück zu ihren Leuten.
Vielleicht, dachte sie, ist genau das unsere Stärke.
Nicht die Waffen. Nicht die Zahlen. Sondern dass wir selbst im Krieg noch feiern können.
Nach dem Chaos des Frühstücks und dem letzten Echo von Truphoss’ „Hooo Hooo Hooo“ suchte eine kleine Gruppe Abstand vom Trubel der Eternity. Barbara, Großbatz, Elpepe, Lysine und Mg machten sich auf den Weg zu dem Weihnachtsmarkt, von dem man sagte, er sei der schönste weit und breit in der Galaxie – bei den Zwergen. N
Hier war alles anders. Ruhig. Warm. Friedlich. Der Duft von Gewürzen und heißem Glühwein lag in der Luft, Zwerge in grünen Wichtelgewändern schlenderten lachend über den Platz, und Chöre sangen alte Weihnachtslieder, die selbst gestandene Krieger für einen Moment still werden ließen. Der Glühwein war tatsächlich der beste, den sie je getrunken hatten, und die Zeit verging schneller, als es irgendwem lieb war. Am Nachmittag begann es bereits zu dämmern, Lichter spiegelten sich im Schnee, und für einen kurzen Moment fühlte sich alles leicht an.
Dann änderte sich die Stimmung.
Wie ein Panzer walzte sich eine große Gruppe durch den Markt. Space Cookies. Laut, rücksichtslos, schubsend. „Aus dem Weg! Hier kommt ffbPatrick, unser Anführer!“, hallte es über den Platz. Stände wankten, Zwerge wichen erschrocken zurück, die Lieder verstummten.
Die kleine Gruppe der Eternity sah sich an. Kein Wort. Kein Zeichen. Sie stellten sich einfach in den Weg, scheinbar nur vertieft in ihr eigenes Gespräch, als hätten sie die Randale gar nicht bemerkt.
„Siehe da, siehe da“, erklang eine Stimme. LeoCIX trat vor. „Ein paar Kämpfer der Eternity.“
Barbara und die anderen diskutierten weiter, ruhig, beinahe gelangweilt. Erst als ffbPatrick selbst nach vorne trat und knurrte: „Was ist denn hier los?“, geschah es.
In einem einzigen, fließenden Moment schnappte sich Barbara ffbPatrick, riss ihn an sich und hielt ihm einen Dolch an die Kehle. Kein Zittern. Kein Zögern. Nur kalte Kontrolle.
„Wenn ihr euch nicht benehmen könnt“, sagte sie leise, aber unmissverständlich, „dann geht ihr jetzt alle besser.“
Sie ließ den Blick über die Space Cookies gleiten, einen nach dem anderen.
„Es ist Advent.“
Keiner lachte. Keiner widersprach. Sekunden später zog sich die Gruppe zurück, leiser als sie gekommen war. Der Weihnachtsmarkt atmete auf, die Lieder setzten wieder ein, und irgendwo reichte ein Zwerg der Eternity-Gruppe wortlos neuen Glühwein.
Großbatz hob den Becher. „Besinnlich“, murmelte er.
Barbara steckte den Dolch weg und nickte. „Sehr.“