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Kapitel 86

Die letzte Stunde


Der Vorsprung war gewachsen, stärker als viele es für möglich gehalten hätten. Vierunddreißigtausend Punkte lagen zwischen der Eternity und den drei Fragezeichen. Ein weiter Weg, hart erkämpft. Von den theoretisch möglichen siebenundsiebzigtausend Punkten hatte nicht jeder alles geben können – doch jeder hatte gegeben, was in seinem Rahmen lag. Manche mehr, manche weniger, einige bis an ihre Grenze. Und das zählte.

Die Stimmung war angespannt, aber nicht verzweifelt. Es fühlte sich an, als hätte man alles richtig gemacht. Als würde dieser Endspurt tragen.

Ab Mitternacht legten die drei Fragezeichen los. Stunde um Stunde erhöhten sie den Druck. Doch die Eternity hielt stand. Bis 7:30 Uhr führte sie noch immer, zäh, entschlossen, gegen jede Erwartung.

Dann kippte das Bild.

Kurz nach sieben Uhr veränderte sich alles – leise zuerst, fast unmerklich. Zahlen stiegen langsamer. Aktionen blieben aus. Meldungen trafen ein von Kämpfern, die bereitstanden – und doch nicht eingreifen konnten. Sie berichteten übereinstimmend, dass sie das Schlachtfeld nicht betreten konnten, als würde sie etwas Unsichtbares zurückhalten. Keine Panik, kein Chaos. Nur Fassungslosigkeit.

Und dann war es entschieden.

Mit einem Vorsprung von viertausend Punkten gewannen die drei Fragezeichen. Nicht Tage vorher, nicht durch einen langen Aufbau – sondern in der letzten Phase, nachdem die Eternity bis zuletzt geführt hatte.

An Bord der Eternity herrschte Stille. Keine Wut, kein Geschrei. Nur Fragen.

Warum ausgerechnet jetzt.

Warum ausgerechnet in diesen letzten Minuten.

Warum etwas, das es zuvor nie gegeben hatte.

Marek stand lange auf der Brücke, den Blick auf die erloschenen Anzeigen gerichtet. Dann setzte er sich und schrieb. Eine Beschwerde an die Kriegsleitung, sachlich, ruhig, ohne Vorwurf. Nicht aus Trotz, nicht als schlechter Verlierer. Sondern mit dem Anspruch, zu verstehen.

Nicht der Verlust schmerzte am meisten.

Sondern das Unerklärliche.

Die Eternity hatte gekämpft, hatte sich geschlossen gezeigt, hatte alles mobilisiert, was möglich war. Dass es am Ende nicht reichte, war eine Tatsache. Dass der entscheidende Moment von etwas überschattet wurde, das niemand erklären konnte, ließ diese Geschichte offen.

Diese Schlacht war verloren.

Doch der Wille nicht.

Und irgendwo tief im Schiff wusste jeder: Das war kein Ende. Es war eine Zäsur.