Der metallische Duft von Kaffee hing schwer in der Luft, als Alexia allein in der Offiziersmesse saß. Das Summen der Maschinen klang gedämpft, fast beruhigend, ein seltener Moment der Stille zwischen zwei Schlachten. D
Draußen tobte noch immer der Krieg, doch hier drinnen war nur sie, ihr Becher und der schwache Dampf, der über der dunklen Flüssigkeit aufstieg.
Die letzten Stunden hatten ihre Spuren hinterlassen.
Die GG-Schlacht war gnadenlos gewesen – Angriff um Angriff, kaum Pausen, kaum Schlaf. Sie hatte gezählt, mitgeschrieben, geführt, motiviert – und doch fühlte sie sich, als hätte sie gegen den ganzen Kosmos gekämpft.
Die Eternity hielt sich wacker, Platz zwei, stabil und stolz.
Aber der Preis war hoch.
Sie dachte an Marek. Er hatte hart entschieden, vielleicht zu hart. Bierscholle, ein junger Kämpfer, war entlassen worden – ungehorsam, laut, respektlos. Er hatte den Offizieren widersprochen, ihre Befehle offen verweigert, sich über Anordnungen hinweggesetzt, als stünde er über ihnen. Es war keine Frage des Könnens, sondern des Respekts gewesen. Marek hatte nicht gezögert. „Disziplin ist das Rückgrat der Eternity“, hatte er gesagt. „Wer das bricht, bricht uns alle.“
Alexia seufzte. Sie verstand ihn, auch wenn es ihr wehtat. Bierscholle war kein schlechter Mensch gewesen – nur zu stolz, zu ungestüm, zu überzeugt von seiner eigenen Stärke. „Ein Feuer, das zu hell brennt, verlöscht schneller“, murmelte sie. Vielleicht würde er eines Tages zurückkehren, weiser und stärker. Vielleicht auch nicht.
Sie nahm einen Schluck. Der Kaffee war bitter, aber ehrlich. So wie das Leben an Bord. Draußen hatten sie in der Nacht wieder Gebiete zurückerobert. Smy hatte die Führung an der südlichen Flanke übernommen, Anfortas die Koordination gehalten. Zwei Frauen aus völlig unterschiedlichen Welten – und doch Seite an Seite, taktisch klug, unerschütterlich.
Die QI-Schlacht hatte vorerst eine Pause eingelegt. Nach Tagen ununterbrochener Kämpfe stand das Schlachtfeld still – eine seltene Ruhe, die sich über das System gelegt hatte. In zwei Tagen würde sie weitergehen, härter und entschlossener als zuvor. Und Alexia wusste, dass diese kurze Ruhe trügerisch war. Der Sturm wartete nur darauf, erneut loszubrechen.
Alexia blickte auf den Holoschirm an der Wand. Namen flimmerten auf, Statusmeldungen, rote und grüne Markierungen. Hinter jedem Namen steckte eine Geschichte. Erfolg, Versagen, Hoffnung, Verlust – alles in einem Atemzug.
„So viele Gesichter,“ flüsterte sie, „und keiner weiß, wann es vorbei ist.“ Sie nahm den letzten Schluck, stellte die Tasse ab und richtete sich auf. Ihre Augen spiegelten Entschlossenheit – müde, aber klar.
Draußen warteten Befehle, Pläne, Verantwortung. Der Krieg würde weitergehen. Aber für diesen einen kurzen Moment hatte sie Frieden gefunden – im Dampf des Kaffees, zwischen Erinnerung und Pflicht.
„Für die Eternity,“ sagte sie leise und ging hinaus.