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Kapitel 78

Die acht Kriegerinnen


Die Nacht über Greifental war ruhig, doch an Bord der Eternity herrschte gespannte Vorfreude. Acht der stärksten Kriegerinnen standen im Hangar bereit: Anfortas, Smy, Alexia, Ronja, Sasa, Barbara, Liesbeth und Beffi. Heute sollten sie eine geheime Operation durchführen, um eine Schwachstelle der drei Fragezeichen aufzudecken – und dafür mussten sie den langweiligsten Ort der Galaxie infiltrieren: die Gaststätte der Fragezeichen.

„Wenn wir da drin nicht einschlafen, bin ich beeindruckt,“ murmelte Ronja.

Beffi öffnete eine Dose Starkbier. „Ich nehm prophylaktisch Alkohol, um den Schmerz zu betäuben.“

Die acht betraten die Kneipe. Es war, wie sie befürchtet hatten: tote Hose. Drei Offiziere langweilig, zwei fast schlafend, ein paar volle Bierkrüge unberührt.

„Hier stirbt man ja an akuter Spaßlosigkeit,“ flüsterte Barbara.

„Gut,“ grinste Alexia. „Dann bringen wir Leben rein.“

Sie stellte eine kleine Musikbox auf den Tresen. Klang vibrierte durch den Raum. Beffi wirbelte eine Bierdose wie eine Fackel und rief: „Operation Aufwecken beginnt!“

Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich die depressive Gaststätte in einen wild vibrierenden Partyraum. Sasa verteilte Schnaps, Ronja zapfte ein altes Fass an, das scheinbar noch niemand je benutzt hatte, und Liesbeth begann mit zwei Bierkisten Trommelrhythmen zu schlagen.

Die Offiziere der Fragezeichen blickten irritiert, dann fasziniert, dann plötzlich… fröhlich.

„Was ist das? Warum fühlt sich das… gut an?“ fragte einer irritiert.

„Das nennt man Freude,“ erklärte Smy trocken.

Während die Stimmung explodierte, rückten Anfortas und Smy unauffällig an ihr eigentliches Ziel heran: General Yu der Ruhige. Ein Mann, der selten sprach, selten lachte und noch seltener trank.

„Der wird reden,“ flüsterte Anfortas. „Spätestens nach dem dritten Bier.“

„Oder wenn wir den Wollpulli einsetzen,“ grinste Smy.

Alles lief nach Plan. Noch.

◆ ◆ ◆

General Yu der Ruhige saß in der Ecke wie ein Felsblock: stumm, unbeweglich, emotionslos. Die meisten hielten ihn für unknackbar – doch heute hatten Anfortas und Smy einen Plan. G

Smy legte ihren berühmten Wollpulli an. Der, der eigentlich mehr zeigte als verdeckte. Anfortas zog die Augenbraue hoch. „Bereit?“

„Ich bin geboren dafür,“ sagte Smy und schnappte sich zwei Bierkrüge.

Sie setzte sich zu Yu. „Trinkst du mit mir?“

Yu blickte erst auf das Bier, dann auf sie, dann wieder aufs Bier. „Ich… trinke eigentlich nicht.“

„Heute schon,“ sagte Anfortas und setzte sich auf seine andere Seite. „Das ist Diplomatie.“

Zehn Sekunden später stand der erste Krug leer.

„Der war… gut,“ murmelte Yu, immer noch unbeweglich, aber seine Augen flackerten seltsam.

„Dann probier den zweiten,“ sagte Smy.

Und da passierte es: Yu begann zu reden. Erst stockend, dann fließend, dann… unaufhaltsam.

„Unser Südwall ist schwach… unsere Reserve schläft immer zur gleichen Zeit… wir haben ein Bierverbot nach 20 Uhr… und außerdem—“

„Bierverbot?“ schrie Beffi vom Tresen. „Jetzt verstehe ich eure miserable Laune!“

Ronja rief: „Das ist ja Folter!“

Doch dann passierte das Unvermeidliche: Ein junger Offizier der Fragezeichen bemerkte, dass Yu – der heilige, niemals sprechende Yu – mitten in einer Plauderei steckte. Mit zwei Frauen. Und Bier.

„Alarm!“ brüllte er. „Spione! Sie haben Yu betrunken gemacht!“

In Sekunden standen zwanzig Fragezeichen-Krieger auf, einige stolperten, andere hielten Besen statt Waffen, aber sie wirkten bedrohlich genug.

„Zeit zu gehen,“ sagte Alexia ruhig.

„Zeit zu werfen,“ sagte Beffi und schleuderte eine Bierdose wie einen Torpedo zwischen die Gegner.

Sie explodierte – mit Schaum.

Und das war das Startsignal für einen chaotisch-lustigen Fluchtkampf, der in die Geschichtsbücher eingehen sollte.

Doch wie sie entkommen – das ist eine Geschichte für Teil 3.

◆ ◆ ◆

Die Bierdose, die Beffi geworfen hatte, detonierte wie ein kleiner Schaumorkan. Die Fragezeichen starrten verwirrt auf ihre mit Bier übergossenen Rüstungen. D

„Jetzt oder nie!“ rief Ronja und sprang über einen Tisch, der unter ihr zusammenkrachte.

Sasa zog Barbara mit sich, Lisebeth stürmte hinterher, während Alexia ruhig die Tür anpeilte – so ruhig, dass es wirkte, als würde sie nur zum Kaffeeautomaten gehen.

Die Fragezeichen riefen chaotisch durcheinander. „Haltet sie auf! Spione! Ein Wollpulli-Angriff!“

„Das ist kein Pulli,“ korrigierte Smy trocken, „das ist eine Waffe!“

Anfortas packte Yu am Kragen, ließ ihn aber sofort wieder los. „Bleib sitzen, Großer. Du hast schon genug gesagt für die nächsten zwanzig Jahre.“

Yu nickte benommen und torkelte zurück in seine Ecke. „Bier… ist… gefährlich…“

Die acht Kriegerinnen preschten durch den Hinterausgang, doch draußen erwartete sie die Hintergasse der Fragezeichen – eng, dunkel, und mit einer einzigen Laterne, deren Licht flackerte wie in einem Horrorfilm.

„Links oder rechts?“ fragte Lisebeth.

„Bier folgt immer dem Herzen,“ sagte Beffi und rannte rechts herum – direkt in einen Müllcontainer.

„Das war nicht das Herz,“ bemerkte Sasa.

„Doch! Meines!“

Von hinten näherten sich Schritte, laut und immer schneller.

„Wir brauchen Ablenkung!“ rief Barbara.

Smy grinste. „Hab ich.“ Sie zog eine letzte Bierdose hervor.

„Wirf sie nicht zu früh!“ warnte Alexia.

„Ich werfe nie zu früh.“

Sie warf zu früh.

Die Dose flog im hohen Bogen – und landete mitten auf einer rutschigen Steintreppe.

Ein patrouillierender Fragezeichen-Soldat trat drauf, rutschte aus und fegte seine gesamte Einheit wie Dominosteine um.

„Ich sag’s ja,“ meinte Ronja. „Bier rettet Leben.“

„Unseres,“ ergänzte Alexia.

Sie erreichten die Straße, wo Lisebeth ein Transport-Shuttle gekapert hatte.

„Einsteigen! Alle!“

Die acht sprangen hinein, die Türen schlossen sich, und das Shuttle hob ab – während hinter ihnen zwanzig Fragezeichen-Krieger in völliger Bierpanik über den Boden rutschten.

Anfortas sank in den Sitz. „Mission erfüllt.“

Smy schmunzelte. „Wir wissen jetzt genug, um sie in der nächsten Runde alt aussehen zu lassen.“

„Und wir haben ihrer Bar ein bisschen Leben geschenkt,“ sagte Beffi stolz.

Alexia hob eine frische Bierdose, die sie irgendwie unterwegs eingesammelt hatte.

„Für die Eternity,“ sagte sie leise.

Und alle antworteten im Chor:

„Für die Eternity – für immer!“