Der Abend begann harmlos. Stony, Opi-Michi, Cassius, Bern der Harte, Esteban, Rüdiger und LordJupp saßen wie gewohnt in der Offiziersbar. Das Bier war kalt, die Sprüche warm, und die Stimmung genau auf dem typischen EternityNiveau: laut, sinnfrei und herzlich. D
Dann riss die Tür auf.
Truphoss stand im Rahmen, die Arme breit, als würde er gleich eine Oper eröffnen. „Jungs! Ich hab ein Space-Taxi bestellt! Heute ziehen wir los – und zwar richtig!“
Die sieben blickten sich an. Eine Mischung aus Vorfreude, Dummheit und Abenteuerlust breitete sich aus. Sie hatten keine Chance.
„AUF GEHT’S!“ rief Bern der Harte – und das war der letzte klar erinnerte Moment.
Der Morgen danach war weniger glorreich.
Rüdiger wachte zuerst auf. Er lag auf dem Boden der Offiziersmesse, der Kopf dröhnte, der Mund schmeckte nach Metall und Schande. Als er sich aufrichtete, spürte er etwas Brennendes im Gesicht.
Er taumelte zum Spiegel, sah hinein – und brüllte. Über seine rechte Wange zog sich ein tätowierter Blitz. Groß. Fett. Leuchtend.
„WAS HABT IHR MIT MIR GEMACHT?!“
Esteban lag auf dem Tisch, halb in einem Topf Chips. Opi-Michi schnarchte in einer Mülltonne, Cassius trug ein Stirnband aus Panzerband, und LordJupp hatte zwei Hühnerfedern im Bart. Niemand wusste warum.
Stony war der Einzige, der aufrecht saß, allerdings in einer Weise, die vermuten ließ, dass sein Körper den Begriff „Schwerkraft“ neu definiert hatte.
„Ich… erinnere mich an Tanzen… und an… ein Angebot… irgendwas mit Armdrücken…“
„Ich erinnere mich an gar nichts“, murmelte Esteban. „Nur dass Truphoss plötzlich verschwunden war.“
„Der darf NIE WIEDER ein Taxi bestellen“, krächzte Bern.
Die Offiziersmesse war ein Schlachtfeld. Leere Gläser, zerknüllte Servietten, ein halb abgerissener Vorhang und ein Zettel, auf dem stand:
„DANKE FÜR DIE SHOW – Böhmsche“
„Ich habe das Gefühl“, sagte Rüdiger mit zitternder Stimme, „dass wir etwas getan haben… etwas Großes… etwas Dummes…“
„Brüder“, sprach Opi-Michi feierlich aus seiner Mülltonne, „wir müssen herausfinden, was letzte Nacht passiert ist.“
Niemand ahnte, dass die Wahrheit schlimmer sein würde, als sie sich vorstellen konnten.
Die Drohung kam um 09:01 Uhr. Ohne Vorwarnung, ohne Höflichkeit, ohne Kaffee. D
„ETERNITY! WIR WOLLEN UNSERE KISTE ZURÜCK! ZWEI STUNDEN! ODER WIR BLASEN EUCH AUS DEM ALL!“
Marek verschluckte sich an seinem Kaffee. Alexia ließ fast ihre Tasse fallen. Großbatz stand einfach da und fragte sich, ob er noch träumte oder ob das die Realität war – leider Letzteres.
„Welche… Kiste?“ fragte Alexia mit der ruhigen Stimme einer Frau, die weiß, dass die Antwort schlimmer wird als jede Frage.
Marek seufzte. „Rufen wir sie zusammen… die sieben Katastrophen.“ Und da saßen sie:
Stony, Opi-Michi, Cassius, Bern der Harte, Esteban, Rüdiger und LordJupp.
Sieben Männer, die aussahen, als hätte jemand eine Kneipe, eine Raumstation und einen Tornado ineinander geschoben und sie mitten rein gesetzt. Stille. Langes, unangenehmes Schweigen.
Dann – der Anfang der Wahrheit.
Opi-Michi hob die Hand.
„Ich… erinnere mich an Bier.“
Alexia: „Das ist keine Erinnerung, das ist ein Lebensstil.“
Cassius: „Ich erinnere mich an noch mehr Bier.“
Bern: „Ich erinnere mich an… ein Huhn.“ Marek: „Ein was?“
Und genau in diesem Moment spazierte das Huhn quer durch den Raum, wackelnd, stolz, und trug Stonys Stirnband wie eine Krone. Niemand stellte Fragen. Niemand traute sich.
Stony: „Ich erinnere mich an eine Kneipe bei Carnivore.“
Esteban: „Stimmt. Und du hast drei Carnis verprügelt.“
Stony nickte bescheiden.
„Ich glaube, es waren vier.“ „Es waren drei!“ „Der vierte war der Barkeeper.“ „Ah. Ja dann.“
LordJupp: „Ich erinnere mich, dass Rüdiger sich tätowieren lassen wollte.“
Rüdiger fasste sich an die Wange, wo ein riesiger Zickzack-Blitz prangte, der aussah wie eine Mischung aus Harry Potter und Stromschlag-Opfer. „WOLLTE ICH NICHT!“ brüllte er.
Esteban grinste: „Doch, du hast gesagt: Mach mich gefährlich!“
„Ich meinte ein Schwert! Oder Flammen! Nicht… Blitzableiter-Design!“
Dann Cassius, sehr ernst:
„Ich erinnere mich… an Kisten.“
Alle schwiegen. „Viele Kisten.“ Stony nickte langsam. „Ja… wir haben eine geöffnet.“
Marek: „Und?! Was war drin?!“ Cassius zuckte die Schultern.
„Keine Ahnung. Wir konnten nicht mehr lesen. Alles doppelt. Und einmal rückwärts.“
Bern ergänzte stolz: „Also haben wir die Kiste wieder zugemacht!“
„Und dann?“ „Mitgenommen.“ „Warum?!“ „Weil sie so leicht war!“
Marek griff sich an den Kopf.
Alexia flüsterte: „Ich spüre… die Dummheit… körperlich.“
Wieder meldete sich die Carnivore Group über Funk:
„LETZTE WARNUNG! KISTE! SOFORT! ODER ES KNALLT!“
Die sieben Männer sahen sich an – langsam, entsetzt, panisch.
Truphoss schlug die Hände vors Gesicht. „Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl… und zwar von der Sorte, bei der man später ein Buch drüber schreibt, aber nur aus Scham.“
Marek seufzte schwer. „Jungs… WAS auch immer ihr getan habt – wir finden diese Kiste. Jetzt.“
Der Morgen begann chaotisch: Ein Huhn rannte durchs Offiziersdeck, Rüdiger wachte mit einem Blitz-Tattoo im Gesicht auf, und keiner wusste, warum Stony einen Schuh in der Hand hielt, der ihm eindeutig nicht gehörte. D
Bevor jemand über den Zustand ihrer Würde nachdenken konnte, kam die Drohung von Carnivore: „GEBT UNS UNSERE KISTE ZURÜCK – SONST KRIEG!“ Nur: Niemand wusste, von welcher Kiste gesprochen wurde.
Also begann die Suche – angeführt von einer Spur aus Bierdosen, Glitzer und einem grün leuchtenden Borat-Tanga, den Esteban hochhielt wie ein archäologisches Fundstück.
„Der gehört Truphoss.“
„WAS?!“ rief der und wurde blass.
Langsam kehrten Erinnerungsfetzen zurück: tanzende Lichter, Nebel, sein eigener Körper im Tanga, der scheinbar eine Art übernatürliche Gravitation auf Blondie ausgeübt hatte. Sie hatte ihn angeschmachtet wie eine heilige Reliquie, und irgendwo dazwischen musste es zum Kuss gekommen sein. Mehr wusste er nicht. Vielleicht besser so.
Die glitzernde Spur endete schließlich vor einer großen, vibrierenden Holzkiste im Frachtraum der Eternity.
„Die lebt“, murmelte Opi-Michi.
„Oder sie ist verdammt sauer“, ergänzte Bern der Harte.
Vorsichtig öffnete Stony den Deckel – und Blondie sprang heraus wie eine von Bier angetriebene Sprungmine. „TRUUUUUPHY!!!“ schrie sie und fiel Truphoss um den Hals. „Bitte sag mir, wir haben nicht geheiratet“, wimmerte er.
Blondie kicherte. „Nein. Aber du hast gesagt, du trägst mich überall hin! Und dann hast du mich in diese tolle Kiste gesetzt! Sehr gemütlich!“
Alle starrten Truphoss an, der verzweifelt die Hände hob. „Ich dachte, es wäre romantisch. Oder… äh… sicher.“ Alexia entschied sofort: „Wir schicken sie nach Hause. Jetzt.“
Ein Space-Taxi wurde gerufen, Blondie samt Kiste eingeladen – sicherheitshalber festgezurrt, damit sie nicht zurück an Bord springt.
Beim Abheben brüllte sie: „TRUUUPHY, DU HAST DAS GRÖSSTE HERZ – UND DAS GRÖSSTE… IHR WISST SCHON!“ Das Taxi verschwand in der Dunkelheit. Stille.
Dann: „Warum hab ich eigentlich dieses Tattoo?“, fragte Rüdiger.
Esteban und LordJupp taten so, als seien sie plötzlich sehr fasziniert vom Boden. Stony seufzte. „Nächste Woche trinken wir weniger.“ Truphoss schüttelte den Kopf. „Nächste Woche trinken wir MEHR. Ich muss vergessen, was ich gestern getan habe.“
Und so endete die Nacht, die keiner erinnern kann – mit einer versehentlich entführten Blondie, einem Borat-Tanga, einer fast-Liebesgeschichte, einem Huhn ohne Erklärung und der Erkenntnis: Die wahre Bedrohung auf Greifental ist nicht der Feind. Es ist der Alkohol.